„Als Chef soll man sagen, dass es einem heute nicht gut geht. Dass man seine Ruhe braucht, und dass einem am Vormittag besser keiner anspricht. Damit ist man authentisch!“ O -Ton einer Führungskraft in einem Führungskräfteseminar. Mit authentisch sein verbindet man meist „echt“ sein, unverfälscht sein, sich zeigen und geben wie man ist. Und auch zu sagen, was man meint.

Authentisch sein bedeutet aber „wie innen so auch außen“, wodurch sogenannte „double bind“- Botschaften verhindert werden. Kurzum: Der kommunizierte Inhalt soll also nicht im Widerspruch zur Körpersprache stehen. Authentizität bedeutet nämlich nicht, alles direkt und ungefiltert heraus zu sagen und Andere dadurch vor den Kopf zu stoßen oder negative Stimmungen auf Andere zu übertragen.

Authentisch sein und trotzdem in der Rolle bleiben

Wichtig ist, sich vor Augen zu halten: Kommunikation ist noch immer authentisch, wenn sie auf die Rolle und Situation abgestimmt ist und die innere Haltung überprüft wurde! Besonders in der Führungsrolle sollten sich Führungskräfte jederzeit der Rolle und der damit einhergehenden Verantwortung bewusst sein, die sie auf die Stimmung und das emotionale wie mentale Klima im Team haben. Geht es der Führungskraft nicht gut, geht es auch dem Team nicht gut. Die Wechselwirkung, so unsere langjährige Erfahrung,  ist schnell und phänomenal. Selbst wenn man den Effekt kennt und spürt, kann man sich ihm als Teammitglied schwer bis gar nicht entziehen. Als Chef seine miese Laune zu verbreiten, oder seine menschlichen Schwächen vor sich herzutragen, ist auf Grund der Breiten- und Massenwirkung demnach unerwünscht.

Mit der richtigen Einstellung Berge versetzen

Zur Führungspersönlichkeit gehört, emotional stabil zu sein, Ausdauer zu haben, eine große Portion Urvertrauen und Mut zu besitzen, um an Schlechtwettertagen das Team emotional und stimmungsmässig durch das tiefe Tal zu tragen. Das ist der Führungsjob! So wie die Führungskraft destruktiv und demotivierend wirken kann, so kann sie auch im selben Ausmaß konstruktiv und motivierend wirken. Die Zuversicht und der Optimismus der Führungskraft trägt das Team und lässt es Berge versetzen. Dieser Art der Vorbildwirkung haben sich Führungskräfte voll bewusst zu sein, um sie gezielt und verantwortungsbewusst auszuüben.

War früher noch die operative Vorbildwirkung im Vordergrund – als Erster zu kommen, als Letzter zu gehen, operativ mitzuarbeiten, inhaltlich das beste Fachwissen zu haben, den meisten Umsatz zu erzielen – so ist heutzutage die emotionale und mentale Vorbildwirkung ausschlaggebend.

Und wenn die Führungsrolle authentisch wirken soll, braucht es im Selbstkonzept einen guten Schuss uerschütterlichen Glaubens, dass Berge versetzbar sind und das Vertrauen darin, dass Menschen fähig sind scheinbar Unlösbares erfolgreich zu meistern. Als Führungskraft ist es ein absolutes No-Go negative Stimmungen ungefiltert an Andere weiterzugeben – vielmehr sind diese im Selbstmanagement zu bearbeiten. In diesem Prozess kann ein Coaching begleitend wirken und den Prozess von außen unterstützen.