Ob im Homeoffice, in Kurzarbeit, oder vielleicht in Betriebsurlaub – viele von uns verbringen die letzte Zeit vorwiegend zu Hause. Verbunden mit temporären Schulschließungen bis Ostern ist in einigen Haushalten die ganze Familie bis auf kleine Pausen den ganzen Tag zu Hause. Was zunächst wie ein Traum klingt für Eltern, die mit ihren Kindern unter der Arbeitswoche gerne mehr Zeit verbringen würden, stellt tatsächlich besondere Herausforderungen für das Familienleben und den Alltag dar. Doch Kommunikations- und Organisationsstrategien, die eine gute Führungskraft ausmachen, können auch in dieser außergewöhnlichen Situation helfen.

Spielerisch Regeln umsetzen (ab ca. 3-5 Jahren)

Besonders für kleine Kinder ist die Situation schwierig. Ihnen fällt es mitunter schwer, sich an langen Zeithorizonten zu orientieren und ihre natürlichen Spieltriebe wochenlang zurückzuschrauben – speziell für etwas so Abstraktes wie ein Virus, das sie gar nicht sehen können. Die Dringlichkeit von bestimmten Vorsichtsmaßnahmen kann man ihnen kaum vermitteln.

Daher kann es helfen, die Umsetzung der Regeln mit Spielcharakter oder kleinen Challenges zu verbinden. So kann man Kinder etwa dazu zu motivieren, im öffentlichen Raum Abstand zu anderen Personen zu halten – ähnlich wie beim beliebten Kinderspiel „Der Boden ist Lava“.

Geduldig erklären (ab ca. 6-8 Jahren)

Von einem Tag auf den anderen weder mit den Freunden draußen zu spielen, noch sie zu sich einladen zu können, kann zu Frustration führen. Viele Ausflugsziele fallen weg. Dabei wollen Kinder in diesem Alter gern Neues entdecken und ihre Grenzen austesten. Nehmen Sie sich als Eltern daher die Zeit, mit Ihren Kindern die aktuellen Umstände durchzugehen und ihnen verständlich zu machen, warum sie gerade auf viele lustige Dinge verzichten müssen. Nur wenn Ihre Kinder verstehen, warum es jetzt gewisse Regeln braucht, stoßen diese auch auf Akzeptanz.

Gemeinsam verantwortungsvoll (ab ca. 10-12 Jahren)

Dabei können Sie auch die Meinung Ihrer Kinder einholen. Je nach Alter können Sie Ihre Kinder einbinden in das Abwägen von vernünftigem und unvernünftigem Verhalten. So bekommen Ihre Kinder das Gefühl, dass es sich nicht um ein abstraktes Konstrukt zur Spaßvermeidung von oben handelt, sondern dass sie selbst Verantwortung tragen und auf ihr Handeln achten können. So fühlen sie sich auch mit diesen Einschränkungen selbstbestimmter und verspüren weniger Frustration. Zusätzlich kann Struktur Streitigkeiten verhindern, wenn man für größere Kinder etwa einen Zeitplan etabliert: Bis 18 Uhr ist Arbeitszeit, dann essen wir gemeinsam Abend und danach kannst du deine Lieblingsspiele zocken.

Ehrlichkeit und Augenhöhe (ab ca. 14-16 Jahren)

Sein Arbeitspensum mitten im Kreis der Familie zu erledigen verläuft nicht immer reibungslos. Nicht jeder hat ein eigenes Büro zu Hause, und während Vorschulkinder oft mit spontanen Besuchen die Konzentration unterbrechen, stören größere Kinder den Homeoffice-Betrieb eher durch Datennutzung für Computerspiele, Streaming oder e-Learning. Dann ruckelt plötzlich die Videokonferenz vom Business-Meeting und eine Warnmeldung informiert einen über die langsame Internetverbindung. Hier kommt man im Spagat aus verständnisvollem Elternteil und fokussierter Führungskraft schnell zur Überdehnung.

Mit den älteren Kindern die eigene Doppelbelastung zu besprechen, die man in diesem Moment verspürt, kann daher Verständnis der Kinder schaffen, ohne dass sie glauben, dass die Arbeit „wichtiger“ ist als ihre Bedürfnisse. Das kann ihnen das Gefühl geben, dass sie durch ihre Rücksichtnahme etwas zum Gelingen beitragen und für sie ein Motivator sein.

Intimität und Distanz

Während sich gemeinsam lebende Elternteile in der Betreuung gegenseitig unterstützen können, befinden sich Alleinerzieher sich in einer besonders herausfordernden Situation. Dafür müssen sich gemeinsam erziehende Partner auch darum kümmern, dass ihre Beziehung zueinander intakt bleibt. Hier kommt es auf die proaktive Kommunikation der eigenen Bedürfnisse an. So kann man kleine Unstimmigkeiten aus dem Weg schaffen, bevor sie sich summieren und hochkochen.

Eine vertrauensvolle Kommunikationsbasis beruht zudem darauf, der anderen Person Dinge zuzugestehen. Wenn man einen Moment innehält, um sich in den Partner hineinzuversetzen, lernt man Rücksicht und nimmt Dinge weniger persönlich. Dann ist es auch okay zu sagen, dass man jetzt einmal Zeit für sich braucht, weil gerade alles zu viel wird. So ist in anderen Momenten ehrliche Intimität statt erzwungenem Nebeneinander möglich.

Kleine Glücksmomente

Zu guter Letzt sollten Sie sich, Ihrem Partner und Ihren Kindern die kleinen Glücksmomente verschaffen, die das Home-Office trotz Vorsichtsmaßnahmen bietet: Gehen Sie gemeinsam hinaus, spielen Sie und toben Sie sich mit Ihren Liebsten aus. Dafür ist im Alltag sonst oft zu wenig Zeit. Also schaufeln Sie sich ruhig auch einmal untertags eine Stunde frei und motivieren Sie Ihre Kinder, gemeinsam frische Luft zu schnappen und genießen Sie die Freiheit.

Die Chance nutzen

Gewiss werden die kommenden Wochen nicht nur Glücksmomente bieten, sondern auch einiges an Stress, Frustration und hier und da ein bisschen Lagerkoller. Doch mit guter und ehrlicher Kommunikation, Struktur und der gewissen Auflockerung zwischendurch können Sie nicht nur bei Ihren Kindern Akzeptanz für die Situation schaffen, sondern auch Ihre Kinder, Ihren Partner und deren Bedürfnisse besser verstehen lernen.

Sie können als Familie noch mehr zusammenwachsen, Ihre gemeinsame Zeit mit wertvollen Inhalten füllen und reflektieren: Was machen Sie alle anders, seit die Einschränkungen durch die Corona-Pandemie sie vermehrt in ihren vier Wänden hält, und was hat sich dadurch in Ihrer Familie verändert?

Um Familien- und Berufsleben besser in Einklang zu bringen, auch über diese besondere Situation hinaus, kann ein individuelles Coaching helfen, um die Situation mit einer außenstehenden Person zu analysieren und gezielt Maßnahmen zu setzen.

Hinweis: Bei personenbezogenen Bezeichnungen wurde aus Gründen der besseren Lesbarkeit die männliche Bezeichnung gewählt.